Wie lang darf ein Bilderbuch eigentlich sein?
Wenn man mehr über die optimale Länge von Bilderbüchern wissen möchte, stößt man bei der Recherche auf unterschiedlichste Angaben. Man liest beispielsweise von maximal einer DIN-A4-Seite, woanders von 3.000 Zeichen, dann wieder werden 10.000 Zeichen als Obergrenze genannt.
(Infos findest Du zum Beispiel auf www.die-schreibtrainerin.de und www.autorenwelt.de)
Bei Kursen, die ich in Großbritannien gemacht habe, war die Vorgabe für einen Bilderbuchtext sogar nur 500 Wörter.
Aufgrund der Erfahrungen, die ich inzwischen auf dem deutschsprachigen Markt gesammelt habe, empfehle ich eine Wortzahl zwischen etwa 500 bis 1.000 Wörtern.
Aber wie schafft man es, mit so wenigen Worten eine gute Geschichte zu schreiben?
Von der Idee zur Geschichte
Ich habe sehr viele Bilderbuch-Ideen, und machmal habe ich tatsächlich das Glück, dass eine Geschichte in einem Stück, kurz, knackig und auf den Punkt in meinem Kopf Gestalt annimmt.
Doch häufig ist der Prozess viel langwieriger. Oft fängt es damit an, dass eine spannende Figur in meinen Skizzenbüchern auftaucht. Da finden erste kleine Interaktionen statt, Bruchstücke für eine mögliche Geschichte. Und dann fange ich an, die Geschichte zu „bauen“. Ich überlege mir einen Handlungsablauf, verwerfe wieder, lasse alles ein bißchen liegen. Neue Ideen kommen dazu, die ich mit dem Vorhandenen kombiniere und dann vielleicht wieder durcheinander würfele. Das ganze wiederholt sich einige Male und am Ende habe ich mit Glück einen runden Handlungsbogen.
Drauflos schreiben
Irgendwann ist der Zeitpunkt da und die Geschichte muss raus aus meinem Kopf. Ich schicke meinen inneren Kritiker für ein, zwei Stunden vor die Tür meines BILDERBUCHBÜROS und schreibe alles auf, ohne lange über Formulierungen nachzudenken.
Füllwörter streichen
Das Ergebnis ist meistens viel zu lang.
Im ersten Schritt kann man zunächst die Füllwörter streichen. Davon benutze ich nämlich auch immer irgendwie unglaublich viele, wenn ich einfach drauflos schreibe. Weg damit!
Inhaltliche Wiederholungen streichen
Im zweiten Schritt streiche ich alle Sätze, die sich beim bewussten Lesen plötzlich als überflüssig herausstellen. Ich neige dazu, Dinge in einem zweiten Satz zur Bekräftigung zu wiederholen. Eben mit anderen Worten die gleiche Aussage noch einmal zu machen. Alles raus!
Sätze einfach und kurz formulieren
Komplizierte Sätze, die mit einem „und“ miteinander verbunden oder ineinander verschachtelt sind, werden im nächsten Schritt getrennt, damit kurze, leicht lesbare Sätze daraus werden.
Oft kann man bereits mit diesen einfachen Kürzungen die Textlänge deutlich reduzieren.
Der Vorlesetest
Beim lauten Vorlesen erkennt man, anders als beim stillen Lesen, sehr deutlich, an welchen Stellen eine Geschichte Texthänger hat oder schwierig vorzulesen ist. Wenn Zuhörer dabei sind - umso besser. Fühlt sich das Vorlesen langweilig an? Wirken die Zuhörer desinteressiert? Kinder sind übrigens die ehrlichsten Zuhörer und bei langweiligen Passagen schnell abgelenkt. Der Vorlesetest offenbart, welche Textstellen gestrafft, geändert oder weggelassen werden können.
Auf das zentrale Thema des Bilderbuchs konzentrieren
Will man eine gute Geschichte schreiben, sollte man sich gerade im Bilderbuch nicht in unwichtigen Nebenhandlungen verlieren. Es hilft, sich immer wieder zu fragen: Was ist das zentrale Thema meiner Geschichte? Welche Handlungen dienen dem Fortgang der Geschichte und dem Vermitteln der zentralen Botschaft? An diesem Punkt wird der Kürzungsprozess schwieriger. Es kann eine große Herausforderung sein, sich von Dingen zu trennen, die man witzig oder schön findet oder die man schon immer mal in einer Geschichte erzählen wollte. Wenn man diese Dinge streichen kann, ohne dass die Struktur der Geschichte leidet: Weg damit!
Illustrationen zum Erzählen nutzen
Viele Informationen in Bilderbüchern können über die Illustrationen vermittelt werden. Dies ist der besondere Reiz des Bilderbuches: Ich kann zwei unterschiedliche Medien nutzen, die sich im Ergebnis zusammenfügen und so die ganze Geschichte erzählen. Text und Bilder müssen (und sollten!) nicht ausschließlich das Gleiche erzählen. So wird das Bilderbuch spannend und lädt zum Entdecken ein. Man kann sogar soweit gehen, ganze Handlungsstränge, die im Text keine Erwähnung finden, im Bild unterzubringen.
Zusammenfassung: So kürze ich meine Bilderbuchtexte
- den inneren Kritiker nach draußen schicken und einfach drauflos schreiben
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Füllwörter streichen
- inhaltliche Wiederholungen und überflüssige Aussagen kürzen
- Schachtelsätze und Kettensätze in kurze, leicht lesbare Sätze umschreiben
- Vorlesetest: Liest der Text sich gut vor? Gibt es langweilige Stellen?
- Konzentration auf das zentrale Thema des Bilderbuchs: alle Passagen kürzen, die für die Botschaft und Handlung des Bilderbuches nicht unbedingt erforderlich sind
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Illustrationen zum Erzählen nutzen und Text entsprechend kürzen
Viel Spaß beim Schreiben und Kürzen!

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